Genau ausgerechnet

Alternative zum MSCI World: Das globale Aktiendepot nach BIP

Aktionär in Fuyang City, China: Aktien aus China würden in einem nach BIP gewichteten Portfolio einen beträchtlichen Anteil einnehmen
© picture alliance / ZUMAPRESS.com | Sheldon Cooper
Aktionär in Fuyang City, China: Aktien aus China würden in einem nach BIP gewichteten Portfolio einen beträchtlichen Anteil einnehmen
Der Aktienindex MSCI World besteht zu über 70 Prozent aus US-Aktien – und damit auch jeder ETF auf diesen Index. Nicht wenige Investmentprofis bauen sich deshalb ihre Aktienportfolios anders zusammen und nutzen dafür zum Beispiel die Wirtschaftskraft der Regionen. Genau das rechnen wir hier mal durch und erhalten ein Portfolio, ganz anders als der MSCI World.

Anja Mikus vom Atommüllfonds Kenfo tut es. ETF-Papst Gerd Kommer tut es ein bisschen. Und damit sind diese zwei Investmentprofis definitiv nicht allein. Denn sie bauen ein globales Aktienportfolio nicht einfach wie den Aktienindex MSCI World zusammen, sondern nach Wirtschaftskraft.

Inzwischen hat es sich einigermaßen herumgesprochen, dass der MSCI World eine Besonderheit mit sich bringt. Mancher würde sogar sagen: ein Problem. Denn Indexanbieter MSCI berechnet ihn danach, wie viel wert alle Aktien zusammen in bestimmten Regionen sind. Und weil die USA den größten Aktienmarkt der Welt haben – und nach klassischen Kennzahlen auch einen der teuersten –, nehmen sie auch im MSCI World Index den größten Teil ein. Satte 72,5 Prozent sind es derzeit (Stand: Juli 2025).

Das kann man gut finden, wenn man US-Aktien mag. Ein breit über Länder gestreuter Index geht aber definitiv anders. Außerdem sind nur 23 Industrienationen im MSCI World enthalten. Schwellenländer fehlen ganz.

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Weshalb es sinnvoll sein kann, sich ein eigenes Portfolio zusammenzubauen. Genügend ETFs auf einzelne Regionen oder gar Länder gibt es jedenfalls. Als geeigneter Maßstab bietet sich dazu die Wirtschaftskraft an. Dann sieht die Welt schon ganz anders aus.

Messen lässt sich diese Wirtschaftskraft am jährlichen Bruttoinlandsprodukt, dem BIP. Doch davon gibt es mindestens drei: in heimischer Währung, in US-Dollar umgerechnet und um Kaufkraft bereinigt, also mit Stärke und Schwäche lokaler Währungen. Wir wollen uns hier auf die Dollar-BIPs konzentrieren.

Der Unternehmer, Investment-Profi und langjährige Verfechter von ETFs, Gerd Kommer, nennt in seinem Whitepaper folgende Struktur als „pragmatischen Kompromiss“ zwischen Börsenwert und Wirtschaftsleistung:

  • 30 Prozent Westeuropa
  • 30 Prozent Nordamerika
  • 30 Prozent Schwellenländer
  • 10 Prozent Asien-Pazifik

Damit lässt sich definitiv was anfangen. Aber rechnen wir mal genauer nach und nutzen dafür Zahlen des Internationalen Währungsfonds (IWF), die sich auf 2024 beziehen. Dabei streichen wir alle Länder ohne Daten und BIPs unter 10 Milliarden Dollar. Übrig bleiben 149 Länder und Verwaltungszonen mit einem Gesamt-BIP von 110,4 Billionen Dollar. Das ist somit die Basis.

Doch dann beginnen schon die Problemchen. Ist Südkorea echt noch ein Schwellenland, wie es MSCI wahrhaben mag? Und schlagen wir Nahost der Asien-Region zu, oder werten wir es extra? Unterscheiden wir zwischen Asien und Pazifik (inklusive Australien und Neuseeland), oder ziehen wir beides zusammen? Auch ETFs auf diese Regionen unterscheiden sich in diesen Punkten. Manche Asien-Pazifik-ETFs klammern sogar ausdrücklich Japan aus. Das müsste man dann also extra kaufen.

Seite 2: US-Anteil schnurrt gewaltig zusammen

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